Chinoiserie: Moderner Look mit alten Wurzeln

1. Juni, 2017 | 13:26
Chinoiserie - neuer Stil mit alten Wurzeln - Lifestyle4Living

Sie suchen nach Dekorations-Ideen, die Ihre Sehnsucht nach fernen Ländern zum Ausdruck bringen. Sie können sich aber mit dem afrikanischen oder orientalischen Stil nicht (mehr) anfreunden? Dann haben wir etwas, dem Sie mit Sicherheit nicht widerstehen können: das Chinoiserie-Design. Seit kurzem erlebt der fernöstlich inspirierte Wohntrend eine Renaissance – und macht auch vor Outdoor-Bereichen wie Garten, Terrasse oder Balkon nicht Halt. Wir informieren Sie über die Hintergründe des exotischen Styles und geben Ihnen Tipps für die optimale Auswahl von Chinoiserie-Artikeln. 

Ein spannendes Kapitel der Baugeschichte

Erste Berichte von den Lebens- und Einrichtungsgewohnheiten der Chinesen gelangten durch den Italiener Marco Polo nach Europa. Er hatte ausgedehnte Reisen ins "Reich der Mitte" unternommen und die Kultur seiner Bewohner genau studiert. Doch europäische Geldgeber, die die Verbreitung der Informationen finanzierten, verfolgten ein ganz eigenes Vorhaben: Sie wollten die Vorzüge Chinas herausstreichen, um es als lohnendes Ziel für missionarische Tätigkeiten darzustellen.


Dementsprechend erregte das Land vor allem unter den Mächten England, Frankreich und Portugal großes Interesse. Hier erfreuten sich Import-Artikel wie Porzellan, Seide und Kleinmöbel schnell wachsender Beliebtheit. Um den Hunger nach den exotischen Gütern stillen zu können, kreierten Designer den Chinoiserie-Style – oder das, was sie dafür hielten. Sie entwarfen Einrichtungs- und Dekorations-Gegenstände, die ihrer Vorstellung vom Leben in der fremdartigen Welt entsprachen.

Dabei bezogen sie auch die Außenanlagen der Häuser in ihre Arbeit ein. So entstanden Bauwerke wie die Pagoden im Londoner Kew Gardens, der davon inspirierte Chinesische Turm im Englischen Garten von München oder das Drachenhaus im Potsdamer Park Sanssouci. Ein komplett im Chinoiserie-Design errichtetes Gebäude ist das Schloss in Pillnitz bei Dresden. Doch auch hier hielten sich die Bauherren und Innenraumgestalter nicht ganz an die historischen Vorgaben, sondern kombinierten frei nach ihrem persönlichen Empfinden.

Chinoiserie: Ein Style, der Fingerspitzengefühl verlangt

Möchten Sie den Stil wiederbeleben  –  und das möglichst authentisch? Dann gibt es einige Dinge, auf die Sie achten können, um das alte China originalgetreu(er) nachzuempfinden.

  • Linienführung: So unterscheiden sich die Möbel der beiden bedeutendsten Epochen des Reiches durch eine stark abweichende Gestaltung. In der Ming-Zeit zeigten die Vorbilder vom späteren Chinoiserie-Design klare Formen und Linien. In der Ching-Zeit dagegen trugen Schränke, Tische u.ä. stets reiche Verzierungen und zahllose Details. 
  • Dekor: Beiden gemeinsam war der Einsatz von warm wirkendem Material: Die natürliche Schönheit von Buchen-, Ulmen- oder Sandelholz dominierte sowohl in der einen wie in der anderen Dynastie. Variationen fanden sich durch leuchtende Lackierungen in klaren Farben oder sorgfältig aufgetragene Ornamente in schimmernden Gold- und Perlmutt-Tönen. 

Weniger ist mehr und harmoniert rundum

Diesen Vorgaben nachempfundene Möbel eignen sich am besten, um den Chinoiserie-Style zu imitieren. Konzentrieren Sie sich dabei auf wenige, auserlesene Stücke und machen Sie diese zu den Highlights Ihres Interieurs. Ein Beistelltisch oder eine einzelne Lampe im altchinesischen Design erzielen deutlich größere Effekte als ein komplett fernöstlich möbliertes Zimmer.

Zum Glück ist es ganz gleich, welchen Stil Sie bisher gepflegt haben, denn Chinoiserie kann nahezu jede Einrichtung ergänzen. Sie passt zu Klassikern ebenso wie zu modernen Gegenständen und überzeugt am meisten, wenn sie zurückhaltend eingesetzt wird.

Zarte Materialien in starken Farben

Das ist bei Dekorations-Artikeln im Chinoiserie-Design auch gar nicht schwer. Die typischsten Materialien dieses Looks besitzen quasi "von Haus aus" eine solche Diskretion, dass Sie (fast) nichts falsch machen können:

  • Porzellan: Objekte wie Figuren, Vasen oder Geschirr eignen sich perfekt für individuelle Chinoiserie. Auf dezentem Weiß kommen charakteristische Motive wie Vögel, Pflanzen oder Drachen am besten zur Geltung - umso mehr, wenn sie in den wirkungsvollen Kontrast-Tönen Rot und Blau gehalten sind.
  • Seide: Schon für sich genommen entspricht der edle Stoff dem Chinoiserie-Style - erst recht aber in den Farben Schwarz und Gold. In Kombination verleihen sie Wohntextilien wie Vorhängen oder Kissen – aber auch Tapeten einen fernöstlichen Touch. Beachten Sie dabei, dass größere Flächen in dieser Kultur meist ganze Szenen abbilden, also beispielsweise eine Gebirgslandschaft zeigen. In schwarz-gold-seidenem Chinoiserie-Design gestaltete Fenster- oder Wandverkleidungen sollten daher "für sich" wirken können und nur sparsam akzentuiert werden.

  • Papier: Weitere typische Elemente chinesischer Dekoration sind Lampions und Rollbilder. Traditionell folgt ihre Platzierung im Raum einem strengen Regelwerk, das Sie zu Gunsten wohnlicher Chinoiserie aber gern variieren dürfen. Für gewöhnlich überwiegen auch bei diesen Artikeln kräftige Farben, die im Falle einer Außenbeleuchtung für zauberhafte Effekte sorgen. 

Übrigens: Papier-Lampions im chinesischen Stil lassen sich auch schnell und einfach selbst basteln – zum Beispiel als Girlande für eine Balkon-Deko oder den Garten.  


Headerbild: ©Thinkstock/View Stock

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